Bei jedem Thema, in dem ich gut bin, schafft die KI nie mehr als 80 Prozent. Die letzten 20 Prozent bin immer ich selbst. Bei Themen, in denen ich mich nicht auskenne, ist es genauso, und genau das ist der unangenehme Teil dieser Beobachtung.

80 Prozent sind die Decke

Die Modelle werden natürlich besser, und das aktuelle ist wirklich richtig gut, aber an dieser Zahl hat das bisher nichts geändert.

Bei jedem Thema, in dem ich wirklich gut bin, komme ich an dieselbe Stelle. 80 Prozent macht die Maschine, und die letzten 20 Prozent mache ich. Das ist kein Vorwurf an die Technik. Ich plane diese Arbeitsteilung inzwischen von vornherein ein, statt mich bei jedem Projekt neu darüber zu wundern.

Deshalb achte ich darauf, dass ich immer die Überhand behalte, und ich ziehe mir bewusst nur wenige Entscheidungen aus der KI heraus. Verlassen tue ich mich eigentlich nie darauf, und das gilt für gute Tage und für schlechte gleichermaßen. Wer diese letzten 20 Prozent nicht einplant, plant ein Projekt, das zu 80 Prozent fertig wird und genau dort stehen bleibt.

Die Decke verschiebt sich nicht mit Ihrem Wissen

Hier wird es unangenehm, denn bei Themen, in denen ich mich nicht gut auskenne, ist es ganz genauso. Auch dort kommt die KI nicht über 80 Prozent hinaus.

Der Unterschied ist nur, dass ich es dort nicht sehe. Bei meinen eigenen Themen erkenne ich sofort, welche 20 Prozent fehlen, und ich weiß auch, wie ich sie ergänze. Bei fremden Themen fehlen dieselben 20 Prozent, und das Ergebnis sieht für mich trotzdem vollständig aus.

Genau deshalb verlasse ich mich nie darauf, und die Ergebnisse sind dabei gar nicht schlecht. Meine Fähigkeit, sie zu beurteilen, schwankt mit dem Thema, und die Qualität der Ausgabe schwankt eben nicht mit. Wer ein fremdes Fachgebiet vollständig an die KI abgibt, bekommt 80 Prozent und hat niemanden im Raum, der die fehlenden 20 überhaupt benennen könnte.

Wer am tiefsten drinsteckt, vertraut am wenigsten

Das ist die Beobachtung, die mich selbst am meisten überrascht hat. Wenn ich mit anderen Inhabern von KI-Agenturen spreche, sagen sie dasselbe. Meine zwei Entwickler sagen es auch: Ich vertraue der KI nicht.

Je tiefer jemand in einem Thema steckt, desto weniger vertraut er der KI. Das ist genau umgekehrt zu dem, was man erwarten würde. Man würde annehmen, dass Erfahrung das Abgeben leichter macht, weil man besser einschätzen kann, was man abgibt.

Tatsächlich passiert das Gegenteil, denn Erfahrung ist genau das, was die fehlenden 20 Prozent überhaupt erst sichtbar macht. Wer sie nicht sieht, hält das Ergebnis für vollständig und gibt daraufhin noch mehr ab. Das größte Vertrauen in KI findet sich dort, wo am wenigsten Fachwissen im Raum ist, und das sollte einen nachdenklich machen.

Die KI ist der Bauarbeiter, Sie sind der Architekt

Sehr viele erfolgreiche Menschen nutzen KI für alles und lassen sie auch Entscheidungen treffen, und das ist die Stelle, an der es kippt.

Ich sage dazu immer dasselbe einfache Bild. Die KI ist der Bauarbeiter und Sie sind der Architekt. Der Bauarbeiter ist schnell, verlässlich und in vielem besser als Sie. Er entscheidet trotzdem nicht, wo das Haus steht und wie es aussieht. Diese Entscheidung fällt vor der ersten Mauer, und sie fällt bei Ihnen.

Praktisch heißt das: Die Ausführung geben Sie ab, die Entscheidungen behalten Sie. Das klingt selbstverständlich, und im Alltag verschwimmt es trotzdem sehr schnell. Eine Maschine, die gute Vorschläge macht, fühlt sich an wie eine Maschine, die gute Entscheidungen trifft. Das sind zwei verschiedene Dinge, und nur eines davon können Sie abgeben.

Wie viel können Sie also abgeben?

Etwa 80 Prozent, bei allem. Der Rest bleibt bei Ihnen, ob Sie ihn einplanen oder nicht, und die einzige echte Wahl ist, ob Sie ihn vorher einkalkulieren.

Wenn Sie prüfen wollen, wo Sie gerade stehen, nehmen Sie ein Ergebnis aus einem Gebiet, in dem Sie wirklich gut sind. Suchen Sie darin die fehlenden 20 Prozent, und Sie werden sie finden. Nehmen Sie danach ein Ergebnis aus einem Gebiet, in dem Sie sich nicht auskennen, und gehen Sie davon aus, dass dort dieselbe Lücke steckt.

Ich arbeite von Dubai aus mit Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und diese Rechnung war bisher überall dieselbe. Die Modelle werden weiter besser, und das aktuelle ist bereits sehr gut. Die 20 Prozent sind bisher trotzdem nicht verschwunden.